KLINIK-ZERTIFIZIERUNGEN

HINTERGRUND

Suizide und Suizidversuche in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen stellen für Betroffene, Angehörige, Mitarbeiter und Mitpatienten höchst dramatische Ereignisse dar. Sie sind zudem mit erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwendungen verbunden. Allein die jährlichen Behandlungskosten nach Suizidversuchen in Deutschland werden laut World Health Report 2004 auf 200 Mio. Euro geschätzt.
Die Anzahl der Kliniksuizide im Bereich der stationären Erwachsenenpsychiatrie in Deutschland beläuft sich auf 700 Fälle pro Jahr. Erkenntnisse aus dem somatischen oder dem pflegerischen Bereich liegen bislang nicht vor.

SUIZIDPRÄVENTION IST MÖGLICH

RESTRICTION OF MEANS /// BEGLEITUNG /// ANTISUIZIDALES MILIEU
Die Ansätze der baulichen Suizidprävention, die eine sinnvolle Ergänzung zu einer adäquaten Betreuung darstellt, gehen weit über restriktive Maßnahmen – im Sinne der Vermeidung des Zuganges zu Suizidmethoden – hinaus. Optimierte bauliche Strukturen zur engen Begleitung der Patienten/Bewohner sowie der Einsatz atmosphärischer Mittel tragen zur Schaffung eines antisuizidalen Milieus bei, welches gleichzeitig auch therapeutische Umwelt ist. So können ebenso das Wohlbefinden von Patienten und Mitarbeitern sowie Genesungsprozesse gefördert werden. Patientensuizide werden nie gänzlich ausgeschlossen werden können. Es wird jedoch ein Rückgang der Kliniksuizidraten gefördert.

FACHGESELLSCHAFTEN

NATIONALES SUIZIDPRÄVENTIONSPROGRAMM FÜR DEUTSCHLAND ///
DEUTSCHE AKADEMIE FÜR SUIZIDPRÄVENTION

Grundlage der Zertifizierung ist ein Dokument des Nationalen Suizidpräventionsprogramms NaSPro für Deutschland, welches von der Arbeitsgruppe „Bauwerke und Umwelt“ entwickelt wurde und alle Empfehlungen zur baulichen Suizidprävention in psychiatrischen Krankenhäusern zusammenfasst. Die Erkenntnisse lassen sich auf andere Einrichtungen übertragen. Das Dokument wird anhand der Erfahrungen der Zertifizierungen permanent fortgeschrieben. Das Zertifizierungsverfahren wird darüber hinaus von der Deutschen Akademie für Suizidprävention unterstützt.

NUTZEN DER ZERTIFIZIERUNG

PRAXISNAHE DOKUMENTATION /// DIREKTE UMSETZBARKEIT ///
BEACHTUNG ATMOSPHÄRISCHER ASPEKTE /// MITARBEITERSCHULUNG INKLUSIVE

Das Zertifizierungsverfahren bietet eine umfassende Analyse der baulichen Situation durch erfahrene Auditoren und praktische Empfehlungen zur Umsetzung erforderlicher Präventionsmaßnahmen.
Die Auditdokumentation zeigt alle relevanten Bauelemente, geordnet nach Ihrer Relevanz für die bauliche Suizidprävention, übersichtlich auf. In einem beispielhaften Entwurf werden Möglichkeiten zur Verbesserung des antisuizidalen Milieus (Atmosphäre) gegeben. Während der Audits im Haus wird eine Mitarbeiterschulung zum Thema angeboten.

GERINGER AUFWAND

Der organisatorische und zeitliche Aufwand für die Einrichtungen ist minimal und entsteht hauptsächlich aufgrund der erforderlichen Begleitung der Auditoren durch einen Mitarbeiter (z.B. der Pflege) während des Rundganges durch das Haus (Eindringen in die Privatsphäre der Patientenzimmer).
Der Zeitbedarf für die Audits richtet sich nach der Anzahl der zu zertifizierenden Stationen. Im Grundmodul sind enthalten: Analyse und Dokumentation einer Station sowie der Anlage, ein atmosphärischer Entwurf sowie ein wissenschaftlicher Vortrag. Dafür sind 2 Auditoren 1,5 Tage im Haus.
Während der Audits werden Belastungstests an potentiellen Befestigungspunkten für Strangulationsgurte vorgenommen. Dies kann zu Schäden an Bauelementen führen. Etwaige Reparaturkosten sind von den Einrichtungen zu tragen.

ZERTIFIKATE, LAUFZEIT, KOSTEN

Die Zertifikate werden in drei Qualitäten mit einer Laufzeit von 3 Jahren vergeben. Nach 1,5 Jahren ist ein Überwachungsaudit durchzuführen. Die Kosten richten sich nach dem Aufwand der Audits (Erstzertifizierungsaudit ab 4.900 € netto, zzgl. Reisekosten). Bitte fordern Sie ein individuelles Angebot an!