SUCHTVERHALTEN

Ab­hän­gig­keits­er­kran­kun­gen ge­hö­ren zum psych­ia­tri­schen All­tag. In vie­len Kli­ni­ken sind spe­zi­el­le Sucht­sta­tio­nen zu deren Be­hand­lung ein­ge­rich­tet. Neben die­sem An­teil an den Haupt­dia­gno­sen be­ste­hen eben­so be­glei­ten­de oder auch krank­heits­ver­ur­sa­chen­de Ab­hän­gig­kei­ten (z. B. dro­gen­in­du­zier­te Psy­cho­sen). Psy­chi­sche und Ver­hal­tens­stö­run­gen durch psy­cho­tro­pe Sub­stan­zen sind mit einem An­teil von knapp 40 % aller Fälle die grö­ß­te Dia­gno­se­grup­pe sta­tio­när be­han­del­ter Pa­ti­en­ten in Deutsch­land.

Die häu­figs­te be­glei­ten­de Ab­hän­gig­keit be­steht zum Ni­ko­tin. Fähn­d­rich und Kie­ser (2003) haben in einer Be­fra­gung von 1078 Psych­ia­trie­pa­ti­en­ten eru­iert, dass etwa 70 % der Pa­ti­en­ten Rau­cher sind. Der An­teil ist damit im Ver­gleich zur All­ge­mein­be­völ­ke­rung, hier liegt er bei etwa 33 %, we­sent­lich höher. "Da viele der Pa­ti­en­ten (z. Z. je­den­falls) nicht mit dem Rau­chen auf­hö­ren möch­ten, sich nicht frei­wil­lig in einer Kli­nik be­fin­den und in einer psy­chi­schen Aus­nah­me­si­tua­ti­on sind, die durch zu­sätz­li­chen Stress (Ni­ko­tinent­zug) nicht auch noch ver­schärft wer­den soll­te, ist dies zu re­spek­tie­ren und auch räum­lich zu be­rück­sich­ti­gen." (Fähn­d­rich, Kie­ser (2003), S.70)

In psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen ist daher das Rau­chen meist ge­stat­tet. Der Rau­cher­be­reich be­schränkt sich in den meis­ten Kli­ni­ken auf einen Rau­cher­raum pro Sta­ti­on. Die Ge­stal­tung die­ses Be­rei­ches stellt eine be­son­de­re Her­aus­for­de­rung für die Pla­ner dar. Pro­ble­ma­tisch sind vor allem die er­heb­li­che Ge­ruchs- und Schad­stoff­be­las­tung durch das Rau­chen als auch das Ge­fah­ren­po­ten­ti­al durch den Um­gang mit of­fe­nem Feuer. Aus Si­cher­heits­grün­den wird der Rau­cher­raum daher oft mit Ein­blick­mög­lich­kei­ten, bei­spiels­wei­se durch Fens­ter zum Flur, ver­se­hen. Eine gute Al­ter­na­ti­ve bzw. Er­gän­zung zu die­sen Räu­men sind gut er­reich­ba­re und wit­te­rungs­ge­schütz­te Frei­be­rei­che.

In sel­te­ne­ren Fäl­len be­ste­hen Ab­hän­gig­kei­ten von an­de­ren, teils il­le­ga­len Dro­gen. Der Kon­sum die­ser Rausch­mit­tel ist, eben­so wie der Al­ko­hol­ge­nuss, in psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen nicht ge­stat­tet. In be­stimm­ten Fäl­len kann daher eine Un­ter­bin­dung der Kon­takt­mög­lich­kei­ten nach außen not­wen­dig wer­den, um Dro­gen­käu­fe zu ver­hin­dern. Die­ser As­pekt soll­te dann ent­spre­chend in der Fens­ter­ge­stal­tung oder auch der Be­gren­zung der Frei­be­rei­che be­rück­sich­tigt wer­den. Für die Ge­stal­tung der Pa­ti­en­ten­zim­mer wäre z. B. eine fu­gen­lo­se An­bin­dung der Ein­bau­ten sinn­voll, um Ver­steck­mög­lich­kei­ten für Dro­gen zu ver­mei­den. Die­ser Pro­ble­ma­tik wird durch das me­di­zi­ni­sche Fach­per­so­nal ins­ge­samt sehr un­ter­schied­lich be­wer­tet. Der Pla­ner muss daher in Zu­sam­men­ar­beit mit dem psych­ia­tri­schen Team einen ei­ge­nen Stand­punkt und ent­spre­chen­de bau­li­che Kon­se­quen­zen er­ar­bei­ten.



>> Fähn­d­rich und Kie­ser (2003)



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