STÖRUNGEN DER UMWELTWAHRNEHMUNG

Neu­ro­lo­gi­sche und psy­chi­sche Er­kran­kun­gen kön­nen bei den Be­trof­fe­nen zu Wahr­neh­mungs­stö­run­gen füh­ren. Diese sind in ihrem Wesen breit ge­fä­chert, so dass sich für den Pla­ner zu­nächst keine ein­deu­ti­ge Hand­lungs­an­wei­sung ab­lei­ten lässt. Kunze (1994, S. 13f.) gibt einen Über­blick zu den Aus­wir­kun­gen der psy­chi­schen Er­kran­kun­gen auf die Wahr­neh­mung:

Erkrankung/
Zustand
Ursache der Wahrnehmungs-
störung
Auswirkung auf die Wahrnehmung
Agnosien*
(akustisch, optisch, taktil)
Störungen in den Hirnrindenarealen Identifizierung des Geschehens gestört, z. B. Symbolwert von Farben wird nicht mehr erkannt
Depressives
Syndrom
Störungen der Bewertung von Sinneseindrücken Sinnestäuschungen, akustische Halluzinationen, Projektion des eigenen Gemütszustandes auf die Umweltwahrnehmung; ungenaue, verlangsamte Wahrnehmung möglich
Manisches
Syndrom
Affektive Enthemmung.
Störung der Gefühlssphäre
erhöhte Ansprechbarkeit auf Außenreize
Affektive Erregung (Angst) oder unter toxischen Einflüssen - Unterempfindlichkeit der Wahrnehmung von Umwelteinflüssen
Schizophrene
Krankheitsformen
Störung der Selektion der Wahrnehmung Störungen in der Wahrnehmung der Grenzen des eigenen Körpers - Dinge außerhalb des Körpers können furchtbar wichtig werden, Vertrauen mehr auf Nah- als Fernsinne; ebenso ungehemmte, verlangsamte Wahrnehmung bis zu einer gesperrten Wahrnehmung (z. B. Stupor) möglich
Organische Hirnerkrankungen (Hirnarteriosklerose, progressive Paralyse) Vermindertes Auffassungsvermögen. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Störung der Merkfähigkeit Orientierungsstörungen, Urteilsschwäche


Diese Bei­spie­le zei­gen, dass die Wahr­neh­mung bei psych­ia­tri­schen Pa­ti­en­ten sehr un­ter­schied­lich ge­stört sein kann, so dass sich für die räum­li­che Ge­stal­tung kon­trä­re An­for­de­run­gen er­ge­ben. Im Span­nungs­feld zwi­schen über- und Un­ter­emp­find­lich­keit ge­gen­über Um­welt­rei­zen soll­te die Ar­chi­tek­tur in psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen nach Mög­lich­keit va­ria­ble Reiz­dich­ten auf­wei­sen. Dies ließe sich ei­ner­seits durch eine dif­fe­ren­zier­te Ge­stal­tung der Pa­ti­en­ten­zim­mer um­set­zen. Dar­über hin­aus lässt sich die Be­deu­tung von Mög­lich­kei­ten der Reiz­ab­schir­mung, ins­be­son­de­re im Pa­ti­en­ten­zim­mer, ab­lei­ten. Dazu zäh­len bei­spiels­wei­se eine gute raum­akus­ti­sche Ent­kopp­lung der Zim­mer, Ver­dunk­lungs­mög­lich­kei­ten der Fens­ter oder eine Re­gu­lier­bar­keit der Be­leuch­tungs­stär­ke.

Nicht zu­letzt in der Grup­pe der ge­ron­to­psych­ia­tri­schen Pa­ti­en­ten kön­nen Ori­en­tie­rungs­pro­ble­me auf­tre­ten. Der Un­ter­stüt­zung der Ori­en­tie­rung die­nen nach Mar­quardt (2007) unter an­de­rem eine ein­fa­che und über­sicht­li­che Grund­riss­struk­tur, Blick­be­zie­hun­gen zu Land­mar­ken in der Um­ge­bung und dem Au­ßen­raum all­ge­mein sowie eine Aus­bil­dung von ar­chi­tek­to­ni­schen Re­fe­renz­punk­ten im In­nen­raum. Letz­te­res kön­nen unter an­de­rem mar­kant aus­ge­bil­de­te Stütz­punk­te oder of­fe­ne ge­stal­te­te Auf­ent­halts­be­rei­che sein.



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