ENTWURFSKRITERIEN
FÜR GESCHÜTZTE FREIBEREICHE

DIREKTE ANBINDUNG AN GESCHLOSSENE STATION

Durch eine direkte Anbindung der geschlossenen Behandlungsbereiche an den geschützten Garten können aufwändige Begleitungen durch das Personal vermieden werden. Der Behandlungsbereich erfährt eine Erweiterung in den Außenraum. Entweichungsmöglichkeiten auf dem Weg in den Garten werden gänzlich vermieden. Möglicherweise können Fenstersicherungen zum Freibereich entfallen. Neben dem resultierendem Nutzen für die freie Lüftung können auch atmosphärische Vorteile abgeleitet werden. Die Vorhaltung geschützter Freibereiche wird grundsätzlich allen Einrichtungen mit geschlossenen Behandlungsbereichen empfohlen.

>> Glasow (2011)

VIELFÄLTIGE NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN

Der Außenraum sollte möglichst vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bieten. Dazu gehören neben Sitzmöglichkeiten auch Sport- und Spielangebote, beispielsweise in Form von Tischtennisplatten, Basketballkörben oder Volleyballfeldern. Die Nutzbarkeit bei Regen erweist sich insbesondere für Raucher als vorteilhaft. Das Aufstellen von Aschenbechern ist zwingend erforderlich, da der Zigarettenkonsum in psychiatrischen Einrichtungen oft erheblich ist. Eine therapeutische Nutzung der Gärten ist ebenso denkbar. Grillplätze, beispielsweise zur Austragung von Klinikfesten, können zur Akzeptanz der Einrichtung beitragen.

>> Glasow (2011)

BLICKSCHUTZ ZUR UMGEBUNG DER KLINIK

Einblickmöglichkeiten für Passanten in den geschlossenen Garten sind unerwünscht, um die Privatsphäre der Patienten zu schützen. Im Sinne der Vermeidung von Stigmatisierung und einer hohen Akzeptanz des Freiraumes durch die Patienten ist daher ein Blickschutz zur Umgebung der Einrichtung zu gewährleisten.

>> Kapitel „Grundlagen: Stigmatisierung“
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VERMEIDUNG VON SUIZIDMÖGLICHKEITEN

Der Anteil an Kliniksuiziden im Freibereich der Einrichtung an der Gesamtanzahl liegt zwischen 3 und 10 %, so dass der Garten nicht zu den Hochrisikobereichen zählt. Bevorzugt werden hier Sprungsuizide und Strangulationen. Leicht zugängliche Suizidmöglichkeiten und Orte mit Aufforderungscharakter zum Suizid sind zu vermeiden. Dazu zählen auch giftige Pflanzungen im Freibereich.

>> Kapitel „Grundlagen: Suizidalität“
>> Glasow (2011)

VERMEIDUNG VON ENTWEICHUNGSHILFEN

Die Umfriedung des Freibereiches ist so zu gestalten, dass Entweichungsmöglichkeiten vermieden werden. Neben der Umfriedung selbst muss dabei auch auf potentielle Übersteighilfen (Regenfallrohre oder Gartenmöbel) geachtet werden. Das Sicherheitsbedürfnis (Entweichungsschutz) und der Anspruch an eine therapeutische Umwelt werden, auch in Anhängigkeit der spezifischen Nutzung (Allgemeine Psychiatrie, Forensik) sehr unterschiedlich bewertet und sind in jeder Einrichtung individuell gegeneinander abzuwägen. Natürliche Umfriedungen(z. B. durch Gebäudeteile) sind zu bevorzugen.

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ATTRAKTIVE GESTALTUNG

Für den Außenbereich wird eine attraktive Gestaltung gefordert. Dabei soll das Gartenflair im Vordergrund stehen. Schöne und vielfältige Pflanzungen sowie ein gepflegtes Erscheinungsbild sollen das Wohlbefinden der Patienten fördern, einen positiven Therapieverlauf unterstützen und können zudem Vandalismus entgegen wirken.

Bei Balkonen und Terrassen ist auf Möglichkeiten zur Betrachtung und Erlebbarkeit (Wind, Sonne, Pflanzen) von Natur zu achten. Dies kann das Wohlbefinden und den Genesungsprozess unterstützen.

>> Glasow (2011)
>> Ulrich (1991)

ÜBERSCHAUBARKEIT DES FREIBEREICHS

Die Überschaubarkeit des Freibereiches für das Personal besitzt vielfältige Kontrollfunktionen und dient unter anderem der Entweichungs- und Suizidprävention sowie der Aufenthaltskontrolle. Direkte Blickbeziehungen und kurze Wege zwischen Stützpunkt und Freibereich haben sich als positiv erwiesen, um eine zeitnahe Unterstützung durch das Personal im Bedarfsfall zu ermöglichen.

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UNTERBINDUNG DES KONTAKTES NACH AUSSEN

Der größte Anteil der Patienten im stationären Bereich wird aufgrund einer psychischen oder Verhaltensstörung behandelt, die durch psychotrope Substanzen verursacht wurde (knapp 40 % im Jahr 2008). Demnach ist mit einem erheblichen Suchtpotential zu rechnen. Der Warenaustausch mit der Umgebung sollte daher unterbunden werden.

>> Glasow (2011)
>> Statistisches Bundesamt